Steißbeinschmerzen nach der Geburt: sanft entlasten

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Sabine Kasten

Steißbeinschmerzen nach der Geburt belasten viele Frauen im Wochenbett. Meist spürst du einen tiefen, dumpfen Schmerz am Ende der Wirbelsäule. Er wird beim Sitzen, Stillen oder Aufstehen deutlich stärker. Das ist anstrengend, weil du gerade jetzt viel sitzt. In diesem Beitrag liest du, woher der Schmerz kommt und was dein Becken entlastet.

Warum Steißbeinschmerzen nach der Geburt entstehen

Das Steißbein, medizinisch Os coccygis, ist der letzte Abschnitt deiner Wirbelsäule. Es sitzt direkt hinter dem Beckenboden und dient vielen Bändern und Muskeln als Ansatzpunkt. Bei der Geburt weicht es nach hinten aus, damit dein Baby durch das Becken passt. Dabei können Bänder überdehnt werden, und das Gelenk zwischen Kreuzbein und Steißbein reagiert gereizt.

Hinzu kommt das Hormon Relaxin. Es lockert in der Schwangerschaft das Bindegewebe und wirkt noch einige Wochen nach. Deshalb bewegt sich das Steißbein stärker als sonst und bleibt länger empfindlich. Ärztinnen und Ärzte nennen den anhaltenden Schmerz in dieser Region Kokzygodynie.

Auch eine lange Austreibungsphase, eine Zangen- oder Saugglockengeburt und ein Sturz auf das Gesäß können das Steißbein reizen. Außerdem spannt sich der Beckenboden nach einer Geburt oft reflexartig an. Diese Daueranspannung zieht am Steißbein und hält den Schmerz am Leben.

Woran du die Beschwerden erkennst

Typisch ist ein punktueller Druckschmerz direkt über dem Steißbein. Er verstärkt sich beim Sitzen auf harten Flächen und beim Aufstehen aus dem Sitzen. Manche Frauen spüren ihn außerdem beim Stuhlgang oder beim Zurücklehnen.

Oft strahlt der Schmerz in das Gesäß oder in die Rückseite der Oberschenkel aus. Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas Ernstes vorliegt. Es zeigt eher, dass die umliegende Muskulatur mitreagiert und angespannt ist.

Was du im Alltag sofort ändern kannst

Mit kleinen Anpassungen nimmst du viel Druck vom Steißbein. Probiere deshalb Folgendes aus:

  • Setze dich auf ein Sitzkissen mit Aussparung oder auf ein zusammengerolltes Handtuch, damit das Steißbein frei bleibt.
  • Sitze leicht nach vorn geneigt auf den Sitzhöckern, statt dich in das Sofa zurückfallen zu lassen.
  • Stille möglichst im Liegen auf der Seite oder in einer aufrechten Haltung mit Stillkissen.
  • Wechsle mehrmals pro Stunde deine Position und stehe zwischendurch kurz auf.
  • Stütze dich beim Aufstehen mit den Händen ab und neige den Oberkörper dabei nach vorn.
  • Lege dir abends ein warmes Kirschkernkissen auf das Kreuzbein, damit sich die Muskulatur entspannt.

Achte außerdem auf weichen Stuhlgang, denn starkes Pressen reizt das Steißbein zusätzlich. Trinke ausreichend und iss ballaststoffreich. Eine verständliche Übersicht zu den Ursachen liefert die Krankenkasse DAK in ihrem Gesundheitsratgeber.

Physiotherapie und Osteopathie bei Steißbeinschmerzen

Halten die Beschwerden länger als zwei bis drei Wochen an, lohnt sich eine gezielte Behandlung. Deine Therapeutin prüft zuerst, wie beweglich Kreuzbein, Steißbein und Becken sind. Anschließend löst sie Verspannungen im Gesäß und in der Beckenbodenmuskulatur mit sanften manuellen Techniken.

Die Osteopathie betrachtet dabei dein gesamtes Becken. Sie berücksichtigt, wie sich Bänder, Faszien und Gelenke nach der Geburt aufeinander einstellen. Daher behandeln wir nicht nur die schmerzende Stelle, sondern auch ihre Ursache. Wir zeigen dir außerdem Atem- und Entspannungsübungen, die sich in kurzen Pausen mit Baby umsetzen lassen.

Warum dein ganzer Körper dazugehört

Das Steißbein hängt eng mit dem Beckenboden zusammen. Ist dieser überspannt oder geschwächt, überträgt sich das auf das Steißbein. Wie du ihn behutsam wieder aufbaust, liest du in unserem Beitrag zum Beckenboden nach der Geburt.

Auch nach einem Kaiserschnitt kann sich die Spannung im Becken verändern. Wenn dich das betrifft, hilft dir unser Beitrag zur Narbe nach Kaiserschnitt weiter.

Wann du ärztlichen Rat einholen solltest

Die meisten Beschwerden klingen innerhalb weniger Wochen ab. Einige Warnzeichen gehören jedoch in ärztliche Hände. Dazu zählen Fieber, eine gerötete oder geschwollene Stelle über dem Steißbein, ein Taubheitsgefühl im Genitalbereich und Probleme, Urin oder Stuhl zu halten.

Melde dich außerdem, wenn der Schmerz nach einem Sturz plötzlich sehr stark wird oder nach mehreren Wochen nicht besser wird. Dann klärt deine Ärztin ab, ob das Steißbein verletzt ist.

So begleiten wir dich in der Praxis

Du bist unsicher, ob deine Steißbeinschmerzen nach der Geburt normal sind? Dann sprich uns gern an. In unserer Praxis Vi.os in Osnabrück nehmen wir uns Zeit für dich und deine Fragen.

Gemeinsam finden wir heraus, was dein Becken gerade braucht, und planen einen Weg, der zu deinem Alltag mit Baby passt. Wir freuen uns darauf, dich kennenzulernen.

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